Bericht über das Seminar Leseförderung im Leseband der OSG – Studierende unterstützen das Leseband im 5. Jahrgang
Wie lässt sich die Leseflüssigkeit von Fünftklässler*innen nachhaltig verbessern? Mit dieser Frage haben sich Studierende im Rahmen von zwei Bachelorseminaren am Institut für deutsche Sprache und Literatur unter der Leitung von Prof. Dr. Jochen Heins und Dr. Ulrike Behrens beschäftigt. Dabei konnten sie Theorie und Praxis durch das Leseband an der Oskar-Schindler-Gesamtschule unmittelbar miteinander verknüpfen.
Jeweils am Dienstag- und Mittwochmorgen startete der Tag für die Studierenden direkt in den Klassenräumen. Genau 20 Minuten nach Schulbeginn ertönte das Startsignal – und es ging los.
Das Konzept des Lesebands setzt auf Kontinuität und Teamwork. An jedem Tag der Woche wird 20 Minuten lang intensiv gelesen, wobei unterschiedliche Lesemethoden zum Einsatz kommen: Vorlesen und Mitlesen, chorisches Lesen, Tandem-Lesen und Hörbuchlesen.
Im Zentrum des Seminars stand das Tandem-Lesen, das an der OSG von April bis Juni 2026 im Rahmen des Lesebands durchgeführt wurde. Die Schüler:innen arbeiten dabei in festen Tandems, bestehend aus einem „Sportler“ und einem „Trainer“. Der Sportler liest laut vor und trainiert so gezielt seine Leseflüssigkeit. Der Trainer hört aufmerksam zu, korrigiert Fehler und unterstützt bei schwierigen Wörtern. Dabei wird auch abwechselnd gelesen, sodass beide ihre Rollen aktiv ausfüllen können und auch der Trainer in seiner Lesefähigkeit gestärkt wird. Die Aufgabe der Studierenden bestand darin, die Tandempartnerinnen beim Lesen aktiv zu unterstützen und ihnen hilfreich zur Seite zu stehen.
Theorie und Praxis unmittelbar verknüpft
Das Besondere an diesem Lehrformat war die unmittelbare Nachbereitung. Direkt im Anschluss an das Leseband fand die eigentliche Seminarsitzung statt. Die Oskar-Schindler-Gesamtschule stellte den Seminarkursen dafür Räumlichkeiten zur Verfügung. So konnten sich die Studierenden unmittelbar über ihre Beobachtungen und Erfahrungen austauschen und die erlebte Praxis gemeinsam reflektieren.
Auf dieser Grundlage wurden die didaktischen Inhalte weiterentwickelt und vertieft. Durch die enge Verbindung von Theorie und Praxis konnten die Studierenden didaktische Fragestellungen unmittelbar vor dem Hintergrund ihrer konkreten Erfahrungen im Unterricht diskutieren.
Den Lernfortschritt im Blick
Um die Entwicklung der Kinder genau zu dokumentieren, wurden im Laufe des Semesters zudem drei bis vier sogenannte 1-Minuten-Lesetests durchgeführt und die Entwicklung der Tandems wöchentlich beobachtet und dokumentiert. Dabei ging es nicht nur um die Anzahl der pro Minute gelesenen Wörter (Lesegeschwindigkeit), sondern um die Diagnose der aller vier Dimensionen von Lese-Fluency: Lesegeschwindigkeit, Automatisierung, Genauigkeit und prosodische Gestaltung.
In diesem Zusammenhang wurde auch die für die Wirksamkeit zentrale Passung zwischen Textkomplexität und Lesefähigkeit der Schüler:innen theoretisch erarbeitet und praktisch reflektiert. Alle Ergebnisse wurden festgehalten und an den letzten beiden Schultagen in der Schule präsentiert. So konnten Schüler:innen, Lehrkräfte und Studierende gemeinsam die im Verlauf des Lesebands beobachtbaren Fortschritte betrachten.
Insgesamt war das Seminar „Leseförderung im Leseband der OSG“ ein gelungenes Projekt für Studierende, Schüler:innen und Lehrkräfte. Durch die morgendliche Unterstützung an zwei Tagen pro Woche und das kontinuierliche Leseband profitierten die Schülerinnen in besonderem Maße. Gleichzeitig bot die direkte Verknüpfung mit der anschließenden Seminarsitzung den angehenden Lehrkräften eine wertvolle Gelegenheit, Theorie und Praxis unmittelbar miteinander zu verbinden.